Saatgut ist mehr als nur der Anfang einer Pflanze – es ist ein echtes Kulturgut. Seit Jahrtausenden nutzen wir Menschen es, um Pflanzen anzubauen, die uns ernähren. Aus jeder Generation wurden Samen gewonnen, aufbewahrt und wieder ausgesät. So entstanden Sorten, die sich über lange Zeit an ihren Standort angepasst haben, widerstandsfähig wurden und ganz ohne chemische Hilfsmittel erstaunlich gut zurechtkommen.
Samenfeste Sorten stehen genau für diesen natürlichen Kreislauf. Sie lassen sich immer wieder vermehren, bleiben sortenrein und entwickeln sich mit jeder Saison weiter. Züchter:innen können diesen Prozess begleiten – durch klassische Kreuzung, mit viel Geduld, Erfahrung und einem feinen Gespür für das, was eine gute Pflanze ausmacht. Im Mittelpunkt stehen dabei Eigenschaften wie Vitalität, Aroma und Bekömmlichkeit – Qualitäten, die man sieht, riecht und schmeckt.
Gerade heute gewinnt diese unabhängige Saatgutarbeit zunehmend an Bedeutung. Denn der großflächige Einsatz von nicht nachbaufähigem Hybrid-Saatgut, wie es von Konzernen wie Bayer, Syngenta, Pioneer und anderen verbreitet wird, schafft Abhängigkeiten. Wer Hybride anbaut, kann kein eigenes Saatgut gewinnen und muss Jahr für Jahr neu kaufen. Ein jahrtausendealtes Gemeingut wird zur Ware – und Vielfalt wird durch Abhängigkeit ersetzt, die Landwirt:innen bindet und vor allem eines sichert: den Ausbau ihrer Macht und die Umwandlung eines Kulturguts zum Wirtschaftsfaktor. Ein jahrtausendealtes Gemeingut wird so zur Ware, und Vielfalt wird durch Abhängigkeit ersetzt.
Inzwischen wachsen auf den Feldern dieser Welt fast ausschließlich Hybride. Für viele Landwirt:innen sind garantierte Erträge und vergleichsweise einfache Anbaubedingungen starke Argumente, oft auch aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus. Die auf Masse und Homogenität gezüchteten Superpflanzen liegen zudem günstig, haltbar und optisch perfekt in den Supermarktregalen. Es scheint, als wollten wir es genau so. Doch der Preis dafür ist hoch:
- Wir verlieren die natürliche Vielfalt unserer Nahrungsmittel und schränken uns auf eine vergleichsweise kleine und zudem ernährungsphysiologisch reduzierte Auswahl ein
- Wassertomaten, Riesenmöhren und schnurgerade, geschmacksneutrale Gurken sind längst nicht so reich an wertvollen Pflanzenstoffen, Vitalkraft und Geschmack wie ihre samenfesten Pendants aus biologisch-dynamischem Anbau.
- Mit dem zunehmenden Verlust von Sorten, die nicht vorrangig lukrativ sind, geht ein alarmierender Vormarsch an Gleichförmigkeit und Abhängigkeit einher.