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Ein gelber Schmetterling sitzt auf einer orangenen Blüte bei Sonnenschein.

Vielfalt ist kein Nice-to-have. Sie ist die Grundlage.

Am 22. Mai ist der Internationale Tag der biologischen Vielfalt, oft auch einfach Tag der Artenvielfalt genannt. Der Aktionstag geht auf die Vereinten Nationen zurück und hängt eng mit dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt zusammen, dessen Text am 22. Mai 1992 in Nairobi angenommen wurde. Ursprünglich lag der Aktionstag auf dem 29. Dezember, dem Tag, an dem das Abkommen 1993 in Kraft trat. Im Jahr 2000 wurde er auf den 22. Mai verlegt, also raus aus den Feiertagen zwischen Weihnachten und Silvester.

Aber Artenvielfalt ist kein Thema für Kalenderblätter, Sonntagsreden oder hübsche Schmetterlingsfotos allein. Sie steckt mitten in unserem Alltag: im Boden vom Acker, in der Blüte am Feldrand, im Summen der Wildbienen, in alten Sorten, in Fruchtfolgen, Hecken, Regenwürmern und in der Frage, wie wir Landwirtschaft denken. Für uns als Bioladen und Bio-Lieferdienst ist Biodiversität deshalb kein Extra. Sie ist Grundlage dafür, dass gutes Essen wachsen kann – heute, morgen und hoffentlich auch noch ziemlich lange danach.

Nur Naturschutz?

Biodiversität ist nicht nur Naturschutzthema. Sie ist ein Produktionsfaktor. Rund 75 Prozent aller Nutzpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen. Wer Insektenpopulationen durch Pestizide dezimiert, gefährdet die biologische Grundlage seiner eigenen Ernte. Wer dagegen auf chemisch-synthetische Pestizide verzichtet, Blühstreifen anlegt und Fruchtfolgen plant,  investiert in Ertragssicherheit. Im Ökolandbau ist Biodiversität deshalb nicht nur Haltungsfrage, sondern ein Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Warum ökologisch wirtschaften?

Auf ökologisch bewirtschafteten Flächen kommen bis zu 35 Prozent mehr Wildbienenarten vor als auf konventionellen — und bis zu 26 Prozent mehr blütenbesuchende Insekten insgesamt. (Quellen: FiBL 2020; Thünen Report 65) Das ist kein Naturschutzprojekt. Das ist der Unterschied zwischen zwei Anbausystemen. Wer Bio kauft, kauft nicht nur ein Produkt aus pestizidfreiem Anbau. Er oder sie unterstützt ein System, das Lebensräume aktiv erhält, durch Fruchtfolgen, den Verzicht auf chemischsynthetische Pestizide und eine Bodenbearbeitung, die das Bodenleben fördert statt zerstört.

Von wegen Lifestyle

Wer sagt, Bio sei nur Lifestyle, sollte einmal einen Blühstreifen neben einem konventionellen Feld sehen. Der Unterschied ist sicht- und messbar: Auf Öko-Betrieben kommen im Durchschnitt 30 Prozent mehr Arten vor — und 50 Prozent mehr Individuen (Quelle: oekolandbau.de, auf Basis Thünen-Institut). 

In Öko-Betrieben werden gezielt Blühstreifen, Hecken und Feldränder angelegt. Weil wir verstehen, wie ein gesundes Agrarökosystem funktioniert. Nützlinge übernehmen natürliche Schädlingskontrolle, Bestäuber sichern Erträge, Strukturen schützen vor Erosion. 

Das ist gelebtes Ökolandbau-Wissen, das seit Jahrzehnten zeigt: Artenvielfalt und gute Landwirtschaft schließen sich nicht aus — sie bedingen einander.

KI generiert: Bunte Blumen vor einem ländlichen Hintergrund mit Feldern und Bäumen.

Grundlagen erhalten

Eine Biene sitzt auf einer gelben Zucchini-Blüte im Garten.

Von 585 Wildbienenarten in Deutschland sind heute mehr als die Hälfte gefährdet. Gleichzeitig liegen die Artenzahlen der Ackerflora auf ökologisch bewirtschafteten Flächen im Mittel um 95 Prozent höher als auf konventionellen. (Quellen: Faktencheck Artenvielfalt 2024; Sanders & Heß, Thünen-Institut)

Das ist kein Zufall. Wer keine chemischsynthetischen Pestizide einsetzt, schützt nicht nur Kulturen — er erhält die Grundlage, auf der das gesamte Ökosystem funktioniert: Bestäuber, Bodenlebewesen, Feldvögel.

Wir sind nicht allein

Wie kommt Ackergift auf die Spitze des Brockens? Ist ja nun nicht so die erste Lage für intensive Landwirtschaft, richtig? Das Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft widmet sich Themen, die uns alle angehen, allen voran zum Beispiel der ungebremsten Pestizidverbreitung. Sie machen Studien, Kampagnenarbeit und beschreiten Rechtswege. Wir selbst und auch unser Ökokistenverband unterstützen dieses Bündnis als Förderpartner. Und mit dem Engagement und der Unterstützung durch die Jahresbeiträge von vielen aus unserer Bioherstellungs- und -händlerbranche wird einiges möglich. 
Pestizide pfeifen nämlich auf Ackergrenzen und dann geht es uns alle an.

KI generiert: Rotes Banner mit dem Text: "Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft".

Und am Ende schmeckt's auch

Biodiversität schmeckt. Wer das bezweifelt, hat noch keine alte Tomatensorte probiert. Im konventionellen Anbau dominieren wenige Hochleistungssorten — gezüchtet für Ertrag, Einheitlichkeit und Transportfähigkeit. Geschmack und genetische Vielfalt bleiben dabei oft auf der Strecke. Im Ökolandbau werden deutlich mehr Sorten angebaut, darunter viele regional angepasste Kulturen, die geschmacklich überzeugen, aber im Industriesystem keine Chance hätten. Artenvielfalt zeigt sich nicht nur im Blühstreifen — sondern auch an der Auswahl.