Neues Bananenprojekt in der Dominikanischen Republik: 
Fair-Trade-Bananen aus plastikfreier Erzeugung

Zugegeben, 4,29 das Kilo ist ein anderer Preis, als der, den ihr kennt. Der liegt derzeit bei 3,29 Euro. Aber das hier ist auch ein Experiment. Sind wir ehrlich: Mit Blick auf Landnutzung, Wasserverknappung und Klimawandel dürften wir Produkte wie Bananen und Avocados (und und und) gar nicht mehr essen beziehungsweise ordern. Avocadoplantagen brauchen extrem viel Wasser. Auf Bananenplantagen wachsen die Früchte am Baum gleich in Plastiksäcke hinein. In Plastiksäcken werden sie transportiert. Dann werden sie umgepackt in Bananenkartons. Eingewickelt in eine neue große Plastiktüte. 

Die Welt ist nicht gerecht. Und wir können es nicht ad hoc ändern. Aber wir können schauen, wo wir was im Kleinen besser machen können. Das dachte sich auch Biopionier Christoph F. Meier, Gründer von Horizontes Organicos in der Dominikanischen Republik und versuchte sich am plastikfreien Bananenanbau. Bisher sind es wenige, die das tun. Aber es werden mehr ... Und wir können uns jetzt einmal mehr selbst beobachten, wie wir reagieren, wenn wir die Chance bekommen, solch kleinen Schritte (die ja eigentlich große sind) mitzugehen. 

Wir haben jetzt erstmals Fairtrade-Demeter-Bananen aus plastikfreier Erzeugung für euch geordert. 
Vermutlich werden die Bananen nicht anders schmecken. 
Aber wir uns vielleicht anders fühlen?! 

Unser Partner vor Ort ist der Bio-Pionier Christoph F. Meier, Gründer und Geschäftsführer von Horizontes Organicos in der Dominikanischen Republik (Hier gibts mehr Infos.) Christoph hat über fünfzig Jahre Erfahrung im biologisch-dynamischen und biologischen Landbau in Europa und den USA. Er kümmert sich um den Anbau, die Ernte auf 420 Hektar und den Export der Bananen nach Europa (Dauer derzeit 11 Tage). Horizontes Organicos wurde 1994 in Azua de Compostela  von ihm gegründet. Von Anfang an wurden die Mitarbeiter in den Betrieb mit eingebunden und auch beteiligt.

Biobananen werden oft in Mischkulturen mit Bäumen angebaut. Dies trägt zur Artenvielfalt im Regenwald bei und ist charakteristisch für ökologischen Anbau.

Da die Region sehr arm ist, enstand 2004 die Idee, vor Ort ein soziales Projekt zu starten. 1 Cent pro verkaufte Banane fließt ohne Abzüge in einen Waldorfkindergarten und eine kleine Grundschule. Derzeit wird rund 100 Kindern ein guter Start ins Leben ermöglicht! Der Kindergarten ist mittlerweile einer der Besten des Landes. Hier arbeiten ausgebildete Waldorf-Pädagoginnen, die die Kinder bei  ihrem guten Start ins Leben begleiten.

Seit einiger Zeit versuchen Pioniere wie Christoph Plastik bei der Bananenerzeugung durch Papier zu ersetzen. Denn in der ursprünglichen Bananenerzeugung wird Plastik vielerorts zu verschiedenen Zwecken eingesetzt. Plastiktüten werden über die Fruchtstände gezogen, damit diese von den bewegten Blättern im Wind nicht zerkratzt werden und vor Insekten geschützt sind. Weiter werden bunte Plastikbänder eingesetzt, um die Stauden für die Erntehelfer zu markieren. Damit die einzelnen Hände der Stauden sich nicht gegenseitig durch Reibung beschädigen, werden sie mit Schaumstoff voneinander separiert. Außerdem werden Spannschnüre aus
Plastik genutzt, um die Bananenpflanzen vor dem Abknicken im Wind zu schützen. Dem ersten erfolgreichen plastikfreien Anbau waren unendlich viele Versuche und Tests mit den verschiedensten Papierqualitäten vorangegangen. 

Die haben gezeigt, dass es wohl auch möglich ist, zukünftig die Plastikbeutel in den Bananenkisten durch Papier zu ersetzen können. Dann hätten wir ein 100 Prozent plastikfreies Produkt auf der gesamten Lieferkette. 

Unserem Biogroßhändler Weiling, Handelspartner vieler Plantagenbesitzer, hat dieses Projekt sehr gefallen. Daher können wir über ihn auch Bananen aus plastikfreiem Anbau beziehen. Er unterstützt die Weiterentwicklung des Projektes finanziell und mit einer Studie, um den Prozess noch zu verbessern.

Der Weg: Von der Plantage in die Kiste

Plantage

198 Bananen-Produzentenorganisationen in 18 Ländern bauen Bananen nach Fairtrade-Standards an. Die Plantagen liegen oft in abgelegenen Regionen. Die Finca Girasol von Christoph liegt zwei Stunden westlich der Hauptstadt Santo Domingo. Die Bananen, die oft mit mit Macheten vom Baum geschnitten werden, werden sorgfältig gesäubert, mit Labeln versehen und für die Schiffsreise verpackt. Die Bananenstauden werden vor der Ernte normalerweise durch blaue Plastikbeutel gegen mechanische Schäden geschützt, speziell gegen Kratzer durch die harten Blätter der Bäume. Solche Schäden sind später als längliche braune Streifen auf den Bananen erkennbar. Einige Fincas, wie eben auch Christophs, experimentieren inzwischen mit dem plasikfreien Anbau.  

Verpacken

An der Verpackungs-Station werden beschädigte oder für den Export ungeeignete Früchte aussortiert. Die Bananen werden in Wasserbecken gereinigt und in sogenannten Begasungsöfen desinfiziert. Die perforierten Bananenkisten ermöglichen eine Luftzirkulation beim Transport. Die ebenfalls perforierten Kunststoff-Folien dienen zum Schutz der Atmosphäre. Es dürfen keine gelben (reifen) Bananen verpackt werden, da diese durch Ethylenausscheidung die anderen grünen Bananen während des Transportes zur vorzeitigen Reifung bringen würden. Auch hier wird an der Umsetzung gearbeitet, Folie zukünftig gegen Papier ersetzen zu können.  

Verladen

Bis die Bananen auf ein Kühlschiff verladen werden, sind oft nur maximal 24 Stunden seit der Ernte vergangen. Die Kühlräume haben 13 °C und sind gut gelüftet, um den Reifeprozess aufzuhalten. Das Stauen an Bord muss so geschehen, dass eine optimale Luftzirkulation durch die perforierten Schachteln gewährleistet ist. Daher dürfen keine Ladelücken zwischen den einzelnen Paletten bzw. Stapeln entstehen, da sich die Luft den Weg des geringsten Widerstandes sucht. Eine Schiffsreise kann bis zu drei Wochen dauern. 

Abladen

Die Bananen von Horizontes Organicos werden in Holland gelöscht. Wenn das Kühlschiff in Europa angekommen ist, werden die Bananen vor dem Entladen geprüft. Dabei werden die Kerntemperatur und der CO2-Gehalt gemessen. Durch Abziehen der äußeren Schale wird die Banane auf Schäden durch Chilling untersucht. Das sind Kaltlagerschäden, die durch zu hohe Kühltemperaturen verursacht werden. Dadurch entstehen irreparable Stoffwechselstörungen, die zu Verfärbungen und Geschmacksverlust führen. Die Banane weist dann unter der Schale eine rosa-bräunliche Färbung auf und kann nicht weiter reifen.

Reifehaus

Bis sie den richtigen Reifegrad für den Biohandel haben, reifen Bananen in Reifekammern weiter. Das sind immer so rund 7 - 10 Tage, bevor sie im Bioladen ankommen. Die Bananen von Christophs Planatage tun das noch in Holland in Ijsselmuiden. Es gibt inzwischen auch Reifehäuser speziell für Biobananen, auch in Deutschland, zum Beispiel in Duisburg. Bio-Bananen besitzen ein anderes Reifeverhalten. Sie sind anfälliger für Krankheiten und Fäulnis, da nur Wasser, Zitronensäure und Pflanzenextrakte zur Oberflächenbehandlung verwendet werden. In die Reifekammern passt mindestens die Ladung eines LKW oder eines Seecontainers, was rund 1.200 Kartons à 18 Kilo bedeutet. Die Temperatur liegt zwischen 13,5° C und 18,5° C. Bananen-Reifemeister achten auf die richtige Mischung aus dem natürlichen Reifegas Ethylen und Stickstoff. Das Gasgemisch setzt den zuvor auf der Reise durch die Kühlung gehemmten Reifungsprozess wieder in Gang. Je kürzer die Reifezeit sein soll, desto höher wird die Temperatur gefahren. Vier bis acht Tage bleiben die Bananen in der Reiferei. In dieser Zeit wechselt die grüne Farbe allmählich zu gelb. Die Banane wird außerdem süß und genießbar, indem Stärke in Zucker umgewandelt wird. Wenn die Bananen den richtigen Reifegrad erreicht haben, sind sie auch reif für die (Bio-)Kiste.

(Wir danken dem Bundesverband Verbraucher-Initiative und dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft für ihre Infos.)